„Kurz, man kennt ihn in Polen als Merlin…”

    SŁAWOMIR GOŁASZEWSKI’S ASUNTA
    Landscapes
    (The Lollipoppe Shoppe / Sunhair Records, LSCD012 / SH007)

Der 1954 geborene Klarinettist, Radio-DJ, Autor und Fanzinemacher Gołaszewski wirkt auf Nichtpolen so schimärenhaft wie ein Elefant, den ein Blinder zu begreifen versucht: Mitbegründer der Meta-Punk-Formation Armia 1984, flippernd zwischen Don Quichote, Tolkins Bombadil und Aguirre, zugleich der Propagandist einer polnischen Reggae- und Rastafarikultur, durchwegs ein ‚musizierender Philosoph’, unterwegs ins New Age, mit dem Theater-Guru Jerzy Grotowski und dem Gnostiker und Anthroposophen Jerzy Prokopiuk als Seelenführern und Prokopiuks Übersetzungen von C. G. Jung und Rudolf Steiner als Landkarten. Kurz, man kennt ihn in Polen als Merlin, und Landscapes (Krajobraz), ein ‚Soundream’ für Klarinette und Harmoniumbordun, gespielt von Wojciech Krawacki, ist ein gutes Beispiel für Gołaszewskis psychedelischen Drang. Nicht zufällig erschien diese Musik zuerst 1997 als Kassette auf Fly Music, dem Label von Marek Styczyński, dem geistesverwandten Kopf von Atman und dem Magic Carpathians Project. Wenn FLY dann noch für Freak Living Yourself steht, und Merlin Armias Freak (2009) durchfreakt, dann wird die Schimäre zu einem, der konsequent ‚The Other Side’ zustrebt, auch ‚Home’ genannt. Gołaszewski bläst seine Klarinette so dunkel und tastend, als ob er die andere Seite erträumen wollte oder sie erschließen könnte, wenn er die richtige Sesam-Formel anstimmt. Wenn sein fragendes, in Spucke und Herzblut gesottenes Summen und sehnendes Tuten einfach nur schön genug wäre für ‚Drüben’, dann müsste doch im harmonischen Gleichklang mit den ‚dortigen’ Vibrations das Trennende durchlässig werden. Dass sich The Lollipoppe Shoppe dafür mit dem Psychedelic Network-Label Sunhair Records in würzburg zusammengetan hat, darf da auf keinen Fall unerwähnt bleiben.

    [BA 76 rbd]
    Bad Alchemy Magazin

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